Versorgungsanspruch für Soldaten

Der Versorgungsanspruch eines Soldaten auf Zeit (SAZ) 20+

Als Soldatinnen und Soldaten auf Zeit (SAZ) 20+ dienen Sie unserem Land und Ihren Mitbürgern für eine sehr lange Zeit. Dadurch stellt sich die Frage, was im Anschluss an Ihrer Dienstzeit passiert. Wie sieht die Situation für Zeitsoldaten aus, welche Versorgungsansprüche besitzen Sie und ist eine eigene Vorsorge notwendig?

Angespannte Arbeitsplatzsituation

In Deutschland herrscht zwar keine Vollbeschäftigung, dennoch haben Unternehmen zunehmend Probleme, ausreichend qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu finden. Diese für Bewerber grundsätzlich positive Situation kann allerdings nur dann genutzt werden, wenn Sie in der Lage sind, den immer höheren Ansprüchen auch genügen. Unternehmen sind gewillt Experten in einem gewissen Gebiet einzustellen und freuen sich in aller Regel über die Bewerbungen von Bundeswehrsoldaten. Problematischer wird es jedoch mit dem zunehmenden Alter. Unternehmen planen Langfristig und möchten ihren Altersdurchschnitt gering halten. Grundsätzlich gilt: Umso länger die Verpflichtungszeit, umso schwieriger wird die Wiedereingliederung auf dem zivilen Arbeitsmarkt.

Bereits innerhalb Ihrer Karriere bei der Bundeswehr sollten Sie daher an die Zeit nach dem Militär denken. Eine Ausbildung sollte möglichst nah an der zivilen Realität angesiedelt sein. Zudem sollten Sie alle Angebote der Bundeswehr nutzen. Es gibt einige Hilfen für ausscheidende Soldaten, beispielsweise aktuelle Weiterbildungen, aber auch finanzielle Hilfen. Diese Themen deckt der BFD zusammen mit Ihnen ab. Wichtig ist, dass Sie sich langfristig einen Plan machen was Sie möchten. Diese Entscheidung kann Ihnen der BFD nicht abnehmen!

Krankenversicherung bei über 55-jährigen?

Alle Zeitsoldaten sind während ihrer Zeit bei der Bundeswehr über die truppenärztliche Versorgung abgesichert. Das heißt, der Besuch beim Truppenarzt ist grundsätzlich kostenfrei. Dieser kann eine Überweisung zu einem Facharzt aussprechen, in bestimmten Fällen auch zu einem zivilen. Ansonsten dürfen Sie als Zeitsoldaten nur in Notsituationen zu einem anderen Arzt. Nach der Zeit bei der Bundeswehr war es früher äußerst schwierig, in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu kommen. Durch das Versichertenentlastungsgesetz, welches zum 01. Januar 2019 in Kraft trat, entspannte sich diese Situation. Wer vor dem Eintritt als Soldat auf Zeit bei der Gesetzlichen Krankenversicherung versichert war, hat diesen Anspruch im Rahmen einer freiwilligen Versicherung auch nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr. Das gilt jetzt auch für über 55-jährige.

Schwieriger ist die Situationen für Personen, die zuvor privat versichert waren. Was sich aufgrund besserer Leistungen bei gleichzeitig teilweise niedrigerer Beiträgen als junge Person durchaus lohnen konnte, kann als älterer Versicherte sehr teuer werden. Wer eine private Krankenversicherung annehmen muss, sollte daher einen Leistungs- und Preisvergleich durchführen. Schwierig ist die Situation außerdem, da bei jetzigem Eintritt keine gesicherte Aussage gemacht werden kann, wie sich die Situation in Zukunft verhält. Daher ist nicht nur der Abschluss einer Pflegepflichtversicherung wichtig, sonder auch sich über eine mögliche private Krankenversicherung ausreichend zu Informieren. Um dann eine entsprechende und passende Anwartschaft abzuschließen.

Pensionsansprüche und Rente als Soldat auf Zeit

In Anbetracht der schwierigen Personalgewinnung, hat sich die Bundesregierung regelmäßig Gedanken gemacht, wie der Beruf des Zeitsoldaten attraktiver gemacht werden kann. Mit dem Bundeswehr-Attraktivitätssteigerungsgesetz (BwAttraktStG) vom 23. Mai 2015 wurde eine sogenannte Mini-Pension eingerichtet. Darauf hat grundsätzlich nicht jeder SAZ 20+ Anspruch, sondern nur diese, bei denen wirtschaftlich notwendig ist. Liegt ein ausreichendes Einkommen oder Vermögen vor, ist die Mini-Pension ausgeschlossen. Welche Grenzen dabei angewendet werden, ist allerdings offiziell nicht bekannt. Dem nicht genug, ist auch die Höhe der Mini-Pension sehr niedrig. Sie orientiert sich an der untersten Versorgung eines Soldaten im Ruhestand, also 65 % der Endstufe der Besoldungsgruppe A4. Hiervon gibt es allerdings wiederum auch nur 75 %. Basierend auf der bis zum 29. Februar 2020 gültigen Besoldungstabelle wären das 1.310,51 EUR – brutto! Es liegt damit, je nach Region und dortiger Miete, nur etwas über dem ALGII (Hartz4)-Niveau. Zudem wird die Mini-Pension nur bis zum Renteneintrittsalter gezahlt, in der Regel also bis zur Vollendung des 67-jährigen Lebensjahres.

Zeitsoldaten sind während der Dienstzeit nicht über die Gesetzlichen Rentenversicherung abgesichert, werden aber nachversichert. Das gilt allerdings nur für die aktiven Dienstjahre, nicht für Übergangszeiten wie beispielsweise bei der Mini-Pension. Wer nicht zeitnah nach Austritt aus der Bundeswehr einen Job in der zivilen Wirtschaft findet, verringert daher deutlich seine Rente. Das größere Problem liegt allerdings daran, dass sich der Rentenanspruch ausschließlich aus dem Bruttoverdienst ergibt. Da Zeitsoldaten allerdings nicht in den sozialen Sicherungssystemen versichert sind, ist das Bruttoentgelt vergleichsweise niedrig. Wer beispielsweise als Hauptfeldwebel (ledig, keine Kinder) in der höchsten Stufe ohne Zulagen 2.677,51 EUR netto verdient, hat einen Bruttoverdienst in Höhe von 3.440,36 EUR. Ein Versicherungspflichtiger in der zivilen Wirtschaft hätte bei diesem Nettoverdienst einen um fast 1.000 EUR höheren Bruttoverdienst. Der Nettobetrag ist damit kein verlässliches Vergleichskriterium! Bei gleichem Nettoverdienst haben Zeitsoldaten später eine deutlich niedrigere Rente.

Fazit: Reicht die Vorsorge für SAZ 20+ aus?

Altersarmut durch zu niedrige Rente, Arbeitslosigkeit unter der Bevölkerung über 55 Jahre: All diese Probleme sind häufig Gegenstand politischer Diskussionen und von Beiträgen in diversen Medienformaten. Das Soldaten auf Zeit von diesem Problem in besonderem Maße betroffen sind, wird dabei allerdings nur selten erwähnt. Zwar hat die Bundesregierung durch verschiedene Maßnahmen die Attraktivität des SAZ20+ bereits erhöht. Dennoch müssen Zeitsoldaten damit rechnen, sich nach dem Austritt deutlich einschränken zu müssen.

Wenn Sie Ihre bisherige Lebensqualität beibehalten wollen, ist neben einem großen Engagement bereits innerhalb ihrer Dienstzeit eine private Vorsorge elementar wichtig. Damit dies gut organisiert ist, sollten Sie sich spätestens zu Beginn der Dienstzeit, idealerweise bereits zuvor, entsprechend informieren.

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